Geschichte der Wirtschaft Flanderns
Flandern hat nach dem zweiten Weltkrieg einen dem deutschen Wirtschaftswunder ähnlichen Aufschwung erlebt und ist heute eine reiche Region. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt nicht nur deutlich über dem Durchschnitt der EU25, sondern hat einen Lebensstandard in der Spitzengruppe der OECD-Länder. Nach Jahrhunderten der Fremdherrschaft und relativer Armut haben sich die Flamen in der modernen Dienstleistungsgesellschaft fest etabliert.
Der Begriff Börse und die Idee des freien Handels, die dazu gehört stammen aus der Provinz Flandern. Die Stadt Brügge ist sowohl der erste Handelsplatz als auch der Ort der ersten ökonomischen Blase: Die Tulpenhausse. Die Tulpe stammt ursprünglich aus der Türkei und wurde Ende des 16. Jahrhunderts in die Niederlande eingeführt. Die holländischen Züchter kreuzten die verschiedenen einfarbigen Sorten, die als langweilig angesehen wurden und schufen neue vielfarbige Prachtexemplare. Aufgrund der langsamen Vermehrung war der Nachschub stets geringer als die Nachfrage und die Preise explodierten. In den Jahren 1630-1637 gab es einen regen Handel mit Tulpenzwiebeln und Optionskontrakten auf Tulpenzwiebeln. Die Gewinne waren exorbitant und die Preise für eine einzelne Zwiebel erreichten zum Höhepunkt der Übertreibung den Gegenwert eines Stadthauses in Antwerpen. Nach dem Zusammenbruch des Tulpenmarkts waren weite Teile der Bevölkerung verarmt, das berühmteste Beispiel ist der Maler Rembrandt, der seine Werkstatt und sein Haus verlor und in Armut starb.
Die häufigen Wechsel in der Landeshoheit von spanischen zu österreichischen Habburgern und später Franzosen sowie diverse Kriege wirkten sich negativ auf die Entwicklung des Landes aus. Als 1830 das Königreich Belgien gegründet wurde, begann die industrielle Revolution. Die Wallonie im Süden war durch Rohstoffvorkommen begünstigt, während Flandern über hundert Jahre lang das Armenhaus Belgiens war. Während des ersten und des zweiten Weltkriegs wurde Flandern stark verwüstet, der nachfolgende Wiederaufbau im Norden konzentrierte sich auf gewinnbringende moderne Branchen. Durch die günstige Lage, die gute Infrastruktur und die Sprachenfähigkeiten der Bevölkerung ist Flandern heute eine Drehscheibe des europäischen Handels und beherbergt einige der wichtigsten Institutionen der EU.